Psychosomatische Bewegungsstörungen – Beschwerden im Bewegungsapparat

Die Psychosomatik und damit auch Psychosomatische Bewegungsstörungen sind ein Teilbereich der Psychiatrie. Psychosomatik befasst sich mit körperlichen Beschwerden, für die es keine erkennbare körperliche Ursache gibt. Körper und Geist stehen beim Menschen in einer sehr engen Wechselwirkung. Daher können psychische Belastungen, Traumata und psychische Erkrankungen der verschiedensten Art körperliche Symptome verursachen. Dabei geht es bei psychosomatischen Erkrankungen vielfach weit über eine reine Symptomatik hinaus. Infolge psychischer Ursachen kann es zu konkreten körperlichen Schädigungen kommen.

Menschen, die mit Beschwerden ungeklärter Ursache einen Arzt aufsuchen, wurden früher vielfach als eingebildete Kranke abgestempelt. Dieser Stempel wird psychosomatischen Erkrankungen auch heute noch gern aufgedrückt. Dabei handelt sich bei den körperlichen Störungen mit psychischem Hintergrund um reale Krankheiten, die einer unbedingten Behandlung bedürfen.

Schwindel und Herzprobleme infolge von psychosomatischen Bewegungsstörungen

Jedem sind solche Aussprüche bekannt, wie „das schlägt mir auf den Magen“ oder „ich fühlte mich wie gelähmt“. Wirklich reagiert der Körper auf hohe nervliche und seelische Belastungen nicht selten mit Krankheitsbildern, wie Magen-Darmbeschwerden, Herzproblemen, Schwindel und auch mit Schmerzen und Störungen des Bewegungsapparats. BeimBewegungsapparat können psychosomatische Störungen verschiedene Äußerungsformen haben. Solche können in Form von unsicherem Gang, Zittern der Hände, zunehmender Muskelschwäche, körperlichen Fehlhaltungen (gebeugte Körperhaltung) auftreten und sich bis hin zu Lähmungserscheinungen fortsetzen.

So kann es gerade unter dem Einfluss von traumatischen Erlebnissen zum Verstummen, zu Lähmungen der Beine, Gesichtszuckungen oder Problemen der Koordination von Auge und Hand kommen. Teilweise können Patienten tatsächlich nicht gehen oder andere Gliedmaßen nicht gebrauchen. Wird das Leiden nicht ursächlich behandelt, so kommt es zu einer Regeneration der betroffenen Muskulatur mit rein körperlichen Auswirkungen auf die Beweglichkeit. Umgekehrt kann es zu überschießenden Bewegungen und Bewegungsunruhe kommen.

Menschen, die unter Angst- und Panikzuständen leiden, neigen manchmal zu Vermeidungshaltungen. Um einer vermeintlichen Gefahr aus dem Weg zu gehen – zum Beispiel einem Sturz – vermeiden sie das Gehen, das Aufstehen, betreten keine Treppe mehr, können die Beine nicht heben oder bleiben sogar im Bett. Eine Form von starken Psychosomatische Bewegungsstörungen kann ein enormes Übergewicht sein, das die Beweglichkeit einschränkt. Unter schwerem Stress, zum Beispiel Trauer, einem Trauma, Angstzuständen, kann sich die Anreicherung des Bluts mit Sauerstoff um bis zu 40 % vermindern. Das führt zu einer Unterversorgung der Zellen und Nerven, auch des Bewegungsapparates.

Besonders stark können sich solche Zustände auf die Wirbelsäule auswirken. Es kommt zu ständigen Rückenschmerzen. Die Betroffenen nehmen Schonhaltungen ein, die zu Haltungsfehlern und realen Folgen am Bewegungsapparat führen. Es wurde zum Beispiel festgestellt, dass Menschen, die über lange Zeit an schweren Depressionen leiden, einen geringeren Mineralgehalt der Knochen haben und leichter zu Knochenbrüchen neigen können. Hier sollte mit der Symptomatik allerdings vorsichtig umgegangen werden, da auch viele Psychopharmaka über lange Zeit eine Osteoporose begünstigen können.

Psychosomatische Bewegungsstörungen

Die Diagnostik und Behandlung von psychosomatischen Bewegungsstörungen

Lassen sich für ein körperliches Leiden oder für körperliche Symptome keine deutliche Diagnose stellen, so wird von einer Störung aufgrund von psychischen Ursachen ausgegangen. Die weitere Diagnostik sollte dann ein Facharzt für Psychiatrie und für Neurologie vornehmen. Die Behandlung wird vor allem auf den Mitteln der Psychotherapie basieren. Es gilt die Ursache der Erkrankung zu finden. Vielfach wird bei starken psychosomatischen Störungen, die auch die Beweglichkeit behindern oder verhindern, wie Lähmungserscheinungen, eine stationäre Therapie erforderlich sein. Psychotherapie und Maßnahmen zur Stärkung von Gelenken und Muskeln werden dabei zusammen wirksam. Die Therapie kann durch entsprechende Medikamente unterstützt werden.

Eine generell wirksame Vorbeugung gegen den Einfluss von Geschehnissen auf psychische und körperliche Fähigkeiten gibt es nicht. Insbesondere ist die unterschiedliche Auswirkung traumatischer Erlebnisse auf Menschen nicht vorhersehbar und im Vorfeld zu steuern. Vielen schweren Erkrankungsformen infolge von Stressfaktoren und dauerhafter Verdrängung von Belastungen kann jedoch durch eine rechtzeitige Therapie vorgebeugt werden. Ebenso sollten Menschen, die feststellen, dass sie an zu hohen Anforderungen durch berufliches oder privates Umfeld leiden, den Gang zu einem Psychologen oder Psychotherapeuten nicht scheuen. Eine Lebensweise, die zum gesunden Stressabbau geeignet ist, Sport, Bewegung, bewusste Schaffung von positivem Erleben einbezieht, kann Überlastungen entgegenwirken. Eine Garantie, dass Auswirkungen psychischer Ursachen körperliche Erkrankungen bedingen, ist dies jedoch nicht. Rechtzeitige Diagnostik und Therapie sind entscheidend.



Autoren & Experten:
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. Hermann Eichstädt, Berlin. Facharzt Innere Medizin & Kardiologie, Lebenszeitprofessor i.R. der Charité Berlin. Geschäftsführender Vorstand der Berlin- brandenburgischen Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen e.V.
Journalist: Horst K. Berghäuser
Heilpraktiker: Felix Teske
Allgemeinmediziner: Dr. Klaus Schäfer
Niedergelassener Arzt: Dr. Wilhelm Schlegel

Literatur, Quellen und Verweise:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin
Thieme Verlag
Praktische Labordiagnostik - Lehrbuch zur Laboratoriumsmedizin, klinischen Chemie und Hämatologie
Grönemeyers Buch der Gesundheit
Hallesche Krankenversicherung

Gepostet von Redaktion Medmensch

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